{"id":16,"date":"2023-03-10T13:58:13","date_gmt":"2023-03-10T13:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/frankpergande.de\/?page_id=16"},"modified":"2026-06-29T17:12:01","modified_gmt":"2026-06-29T17:12:01","slug":"lesen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/frankpergande.de\/index.php\/lesen\/","title":{"rendered":"Lesen"},"content":{"rendered":"<h2>In meiner Bibliothek gest\u00f6bert<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier stelle ich jeden Monat ein Buch aus meiner Bibliothek vor, das mir aus diesem oder jenem Grund wichtig ist, f\u00fcr Juli 2026\u00a0 meinen Duden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Duden.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-671 alignright\" src=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Duden-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Duden-194x300.jpeg 194w, https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Duden.jpeg 414w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a>Im Regalfach f\u00fcr die Nachschlagewerke steht bei mir nat\u00fcrlich ein Duden. Es ist eine Ausgabe von 1977 aus dem VEB Bibliographisches Institut, also eine DDR-Ausgabe, also kein richtiger Duden. Es ist nicht einmal ein sch\u00f6nes Buch, aber seit Jahrzehnten begleitet es mich und vielgenutzt sieht es inzwischen auch aus. Sogar einen Tintenfleck gibt es, wer verwendet heute noch Tinte (nun, ich).<\/p>\n<p>Heutzutage habe ich nur selten etwas nachzuschlagen, wozu gibt es das Internet. Aber neulich geriet ich ins Bl\u00e4ttern und war \u00fcberrascht, dass DDR-typische Begriffe keineswegs das Buch \u00fcberlagern, wie ich es erwartet hatte. Auch wenn sich nat\u00fcrlich sch\u00f6ne Beispiele finden, etwa \u201everelenden\u201c mit der Erkl\u00e4rung: \u201egesetzm\u00e4\u00dfiger Prozess der Verschlechterung der Lebensverh\u00e4ltnisse der Arbeiterklasse im Kapitalismus\u201c. Da lachen die H\u00fchner.<\/p>\n<p>Auch \u201eArbeiter-und-Bauern-Staat\u201c steht nat\u00fcrlich drin, wobei ich mich in meiner journalistischen Laufbahn oft \u00fcber Westdeutsche ge\u00e4rgert habe, die mit dem Begriff \u201eArbeiter-und-Bauern-Staat\u201c sich \u00fcber die DDR \u00e4u\u00dfern, ihn aber nicht einmal richtig schreiben k\u00f6nnen, n\u00e4mlich per Bindestrich durchgekoppelt. Selbstkritisch muss ich freilich anmerken: Kein sch\u00f6ner Zug von mir, so wird man ein alternder und schlechtgelaunter Korinthenkacker. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat war nat\u00fcrlich ohnehin ein sinnfreier Euphemismus, ob durchgekoppelt oder nicht.<\/p>\n<p>Heute wird viel dar\u00fcber diskutiert, welche W\u00f6rter in den Duden geh\u00f6ren und welche nicht. Das hat einerseits eine politische Komponente. Man sieht es etwa am Gendern \u2013 eine rein politische Forderung, die mit dem Sprachgebrauch an sich nichts zu tun hat. Umgekehrt geht es in der Duden-Redaktion um Gewohnheiten des Sprachgebrauchs. Es ist also reine Bequemlichkeit, wenn heute in den Duden kommt, was sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, etwa die willk\u00fcrliche Verwendung des Hochkommas, besser bekannt als Apostroph.<\/p>\n<p>Wenn ich mich dar\u00fcber aufrege und mir dann noch sage: Fr\u00fcher spielte f\u00fcr den Duden Sprachpflege eine gr\u00f6\u00dfere Rolle, dann muss ich mir allerdings selbst ins Wort fallen. In der DDR-Zeit wurde \u00fcberhaupt nicht \u00f6ffentlich diskutiert, schon gar nicht \u00fcber den Duden. Jeder wusste, dass die offizielle Sprache keineswegs der \u00f6ffentlichen Meinung entsprach, sondern so ziemlich das Gegenteil davon war. Sprachpflege spielte also auch schon damals beim Duden keine oder bestenfalls eine geringe Rolle.<\/p>\n<p>Mein alter Duden wird jedenfalls seinen Regalplatz behalten, auch wenn der inzwischen ziemlich staubig aussieht.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Bibliothek gest\u00f6bert &nbsp; Hier stelle ich jeden Monat ein Buch aus meiner Bibliothek vor, das mir aus diesem oder jenem Grund wichtig ist, f\u00fcr Juli 2026\u00a0 meinen Duden: &nbsp; Im Regalfach f\u00fcr die Nachschlagewerke steht bei mir nat\u00fcrlich ein Duden. 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