{"id":16,"date":"2023-03-10T13:58:13","date_gmt":"2023-03-10T13:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/frankpergande.de\/?page_id=16"},"modified":"2026-05-30T15:37:27","modified_gmt":"2026-05-30T15:37:27","slug":"lesen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/frankpergande.de\/index.php\/lesen\/","title":{"rendered":"Lesen"},"content":{"rendered":"<h2>In meiner Bibliothek gest\u00f6bert<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier stelle ich jeden Monat B\u00fccher aus meiner Bibliothek vor, die mir aus diesem oder jenem Grund wichtig sind. F\u00fcr den Juni 2026\u00a0 \u201e\u00c4sthetik des H\u00e4sslichen\u201c von Karl Rosenkranz:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rosenkranz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-661 alignright\" src=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rosenkranz-175x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rosenkranz-175x300.jpeg 175w, https:\/\/frankpergande.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rosenkranz.jpeg 374w\" sizes=\"auto, (max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/><\/a>Die DDR-Ausgabe von Karl Rosenkranz\u2018 \u201e\u00c4sthetik des H\u00e4sslichen\u201c wurde 1989 vorbereitet und erschien in der Reclam-Taschenbuchreihe 1990, also mitten im Umbruch. Wie ich zu dem Buch gekommen bin, wei\u00df ich nicht mehr. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass es in einem Zeitungskiosk auslag, den ich auf meinem Weg zum Mittagtisch ber\u00fchrte und wo ich immer wieder mal bei Reclam-B\u00fcchern f\u00fcndig wurde. In der DDR nahm man mit, was man bekommen konnte.<\/p>\n<p>Ich fand den Titel originell, wusste aber weder etwas \u00fcber den Autor noch dar\u00fcber, was mich bei der Lekt\u00fcre erwarten w\u00fcrde. Es hat dann auch noch viele Jahre gedauert und die DDR war l\u00e4ngst Geschichte, bis ich mir das Buch vornahm \u2013 und reich beschenkt wurde.<\/p>\n<p>Rosenkranz war ein Sch\u00fcler Hegels und wurde vor allem in seinen Jahren in K\u00f6nigsberg von 1833 an zu einem der bedeutenden preu\u00dfischen Gelehrten, von denen das 19. Jahrhundert so reich gesegnet war. Als Philosoph geh\u00f6rte er zur \u201eGesellschaft vom ungelegten Ei\u201c \u2013 was immer dort diskutiert wurde, allein der Name rei\u00dft alles raus.<\/p>\n<p>Was \u00c4sthetik ist, wei\u00df man im Allgemeinen (ohne es eigentlich wirklich zu wissen). Es ist die Lehre vom Sch\u00f6nen. Sie wurzelt in der Antike, aber erst im 19. Jahrhundert kam jemand darauf, die Sache umzudrehen und \u00fcber die \u00c4sthetik des H\u00e4sslichen nachzudenken. Eben unser Rosenkranz.<\/p>\n<p>Daraus wurde ein dickes und \u00fcberaus gelehrtes Buch. Ich brauchte eine Weile, bis ich merkte, dass es auch ein witziges Buch ist mit oft herrlich vernichtenden Urteilen \u00fcber die Kunst und den Geschmack seiner Zeit: \u201eWelcher \u00dcberfluss an poetischer Leerheit.\u201c Als ich diesen Zugang gefunden hatte, las ich Rosenkranz in einem Ruck durch und bl\u00e4ttere auch heute immer wieder darin, also eher literarisch vergn\u00fcgt als wissenschaftlich. Es w\u00e4re eines der B\u00fccher, die ich mitnehmen w\u00fcrde, wenn ich nur eine Handvoll aus meiner Bibliothek behalten d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Und was ist nun das H\u00e4ssliche? Unter anderem das Nachgemachte. \u201eWas bei dem Original ein Spiel des frischen Lebens ist, wird in der Kopie des Nachahmers zu einer toten Machwerkerei, zum \u00f6den Aggregat eines sterilen Eklektizismus. Die lebendige Erfindung entspringt aus geheimnisvollen Quellen und st\u00fcrzt wie ein Bergstrom mit Jubelget\u00f6n hervor; die Nachahmung schleicht als ein abgeleitetes Gew\u00e4sser in abgezirkelten Kan\u00e4len lautlos dahin.\u201c Rosenkranz selbst ist so ein Bergstrom. Ich jedoch bef\u00fcrchte, mit meinem Schreiben zu Letzterem zu geh\u00f6ren. Aber Rosenkranz sagt es zu sch\u00f6n, um deswegen tr\u00fcbsinnig zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Bibliothek gest\u00f6bert &nbsp; Hier stelle ich jeden Monat B\u00fccher aus meiner Bibliothek vor, die mir aus diesem oder jenem Grund wichtig sind. 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