In meiner Bibliothek gestöbert
Hier stelle ich jeden Monat ein Buch aus meiner Bibliothek vor, das mir aus diesem oder jenem Grund wichtig ist, für September 2026 geht es um ein Insel-Büchlein mit Gartengedichten von Rainer Maria Rilke:
Wenn mir in einem offenen Bücherschrank irgendwo ein Insel-Büchlein begegnet, kann ich selten widerstehen, es mitzunehmen. So erging es mir auch mit dem Insel-Büchlein 1129, einer Sammlung von Gartengedichten Rilkes.
Solche Bücher dürften ziemlich ausschließlich als Geschenk durch die Welt geistern, hübsch gestaltet, klingende Texte, romantische Fotos. Ein Garten als Buch sozusagen, gehobene Unterhaltung. So etwas würde ich mir nie kaufen.
Als ich zu Hause in dem Band blätterte, wunderte ich mich selbst, wie ich auf einmal die Zeit vergaß und las und blätterte und las. Dabei besitze ich eine Rilke-Gesamtausgabe und viele der Gedichte aus dem Bändchen kennt man ohnehin, „Römische Fontäne“, „Herbsttag“, „Der Pavillon“, „Das Rosen-Innere“, einiges aus den „Duineser Elegien“. Der Rilke-Sound voll aufgeblüht, sozusagen.
Aber er ist eben ein großer Dichter, ihm schadet auch ein seichtes Umfeld nicht. Ich hatte das Privileg, dieses Garten-Buch in meinen eigenen Garten mitnehmen zu können. Der freilich hätte Rilke nicht inspiriert mit Bohnen, Tomaten, Gurken und Kohl. Aber irgendwie ergab sich ein Zauber, das Prosaische des Lebens mit seinen Bohnen und Tomaten war für einen Moment verweht. Ich war glücklich. Das machte mir, völlig überraschend, das Insel-Büchlein einiges wert.
Phlox gibt es immerhin auch in meinem Garten. Hier der Schluss von „In einem fremden Park“: „Was stehst du oft? Was hören deine Ohren?/ Und warum siehst du schließlich, wie verloren,/ die Falter flimmern um den hohen Phlox.“

